Original oder Nachbau
Lohnen sich mehr Amperestunden?
Ob mehr Amperestunden beim Ersatzakku etwas bringen, hängt vom Gerät ab, das Sie damit betreiben. Dieser Ratgeber ordnet die gängigen Werkzeugtypen ein und zeigt, wann ein größerer Akku sich lohnt und wann er zur Last wird.
Warum es auf das Gerät ankommt, nicht auf den Akku allein
Bei der Frage, ob mehr Amperestunden sich lohnen, gibt es keine pauschale Antwort. Entscheidend ist, wie das jeweilige Gerät den Strom abruft und wie Sie es in der Hand halten. Ein Akku, der bei einer Kreissäge die Leistung stabil hält, kann an einem Akkuschrauber, den Sie über Kopf einsetzen, zur Fehlkonstruktion werden. Die Kapazität allein sagt also wenig darüber aus, ob ein größerer Akku im Alltag tatsächlich einen Vorteil bringt, denn Gewicht, Bauhöhe und die Art der Belastung spielen mindestens ebenso stark hinein. Statt sich an der reinen Zahl der Amperestunden zu orientieren, lohnt sich deshalb ein Blick auf den konkreten Einsatzzweck der Maschine, für die Sie den Ersatzakku suchen.
Unsere Datenbank dokumentiert 368 Werkzeugmodelle, 450 Akkutypen und 21 Marken, darunter AEG, Black & Decker, Bosch, DeWalt, Gardena, Greenworks, HiKOKI, Hitachi, Husqvarna, Kress, Makita, Metabo, Milwaukee, Parkside, Rowenta, Ryobi, Scheppach, Snow Joe, Spypoint, Stihl und Worx. Über diese Datenbasis hinweg zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Geräte mit hohem Dauerstrom profitieren von zusätzlicher Kapazität, während Geräte, die Sie in Zwangshaltung oder über Kopf führen, eher darunter leiden.
Hohe Kapazität zahlt sich aus: Kreissäge, Winkelschleifer, Rasenmäher, Heckenschere
Werkzeuge mit hohem Dauerstrom belasten die Zellen eines Akkus fortlaufend und stark. Bei einer Kreissäge oder einem Winkelschleifer sinkt die Spannung unter Last spürbar ab, wenn der Akku knapp bemessen ist, und die Maschine verliert an Schnittleistung, kurz bevor der Akku leer ist. Ein größerer Akku bringt hier mehr Kapazität mit, die sich die Last teilt, sodass die Spannung stabiler bleibt und die Leistung über die gesamte Laufzeit gleichmäßiger abgegeben wird, statt zum Ende hin spürbar einzubrechen.
Auch bei einem Rasenmäher oder einer Heckenschere gilt dasselbe Prinzip: Der Motor läuft über mehrere Minuten am Stück unter konstanter Last, statt in kurzen Intervallen wie bei einem Akkuschrauber. Weil Sie diese Geräte in der Regel mit beiden Händen führen und das Gewicht über einen Griff, einen Gurt oder das Fahrwerk abstützen, fällt zusätzliches Gewicht am Akku weniger ins Gewicht als bei einem kleinen Handwerkzeug. Der Vorteil größerer Kapazität überwiegt hier den Nachteil der zusätzlichen Masse deutlich. Wer regelmäßig größere Flächen mäht oder längere Heckenabschnitte schneidet, spürt den Unterschied vor allem daran, dass die Leistung gegen Ende der Akkuladung nicht mehr so deutlich abfällt wie bei einem knapp bemessenen Akku.
Wenn Gewicht und Bauhöhe zum Nachteil werden: Akkuschrauber, Stichsäge, Lampe
Bei Geräten, die Sie über Kopf oder in Zwangshaltung einsetzen, kehrt sich die Rechnung um. Ein Akkuschrauber, eine Stichsäge oder eine Akkulampe werden meist nur kurz und mit einer Hand geführt, oft in einem ungünstigen Winkel. Jedes zusätzliche Gramm am Akku wirkt sich hier direkt auf Handgelenk und Unterarm aus, und die größere Bauhöhe verändert den Schwerpunkt des Werkzeugs spürbar.
Ein größerer Akku baut die Maschine zusätzlich auf: Das Werkzeug kippt leichter nach hinten, und wenn Sie es kurz auf der Werkbank ablegen, geht der sichere Stand verloren. Bei einer Akkulampe wirkt sich das zusätzliche Gewicht besonders stark aus, weil die Balance beim Ausrichten des Lichtkegels entscheidend ist. In all diesen Fällen wiegt der Komfortverlust durch Gewicht und Bauhöhe oft schwerer als der Gewinn an Laufzeit. Für diese Gerätegruppe ist es daher oft sinnvoller, bei einer moderaten Kapazität zu bleiben und stattdessen einen zweiten Akku griffbereit zu halten, als auf einen einzelnen großen Akku zu setzen.
Zwei kleine Akkus oder ein großer: die Rechnung
Bei gleicher Gesamtkapazität stehen sich zwei kleine Akkus und ein großer Akku gegenüber, und die Wahl zwischen beiden hat Folgen, die über die reine Laufzeit hinausgehen. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, worauf es dabei ankommt.
- Ein großer Akku erlaubt Dauerbetrieb ohne Unterbrechung, zwei kleine erfordern eine kurze Pause zum Umstecken.
- Mit zwei kleinen Akkus bleibt immer einer griffbereit, während der andere lädt, ein großer Akku legt das Werkzeug während des Ladens komplett still.
- Altert einer von zwei kleinen Akkus, bleibt der zweite weiter nutzbar, während der Ausfall eines einzelnen großen Akkus das gesamte Werkzeug lahmlegt.
- Zwei kleine Akkus verteilen das Gewicht über den Arbeitstag, ein großer Akku belastet durchgehend dieselbe Hand.
- Für Geräte in Zwangshaltung wiegt ein kleiner Akku bei jedem Griff weniger, auch wenn Sie öfter wechseln müssen.
Ladezeit und Ladegeräte, die nicht mithalten
Mit der Kapazität wächst auch die Ladezeit, denn ein Ladegerät liefert nur eine bestimmte Stromstärke, unabhängig davon, wie viele Amperestunden der angeschlossene Akku fasst. Ein Akku mit doppelter Kapazität braucht an demselben Ladegerät entsprechend länger, bis er vollständig geladen ist, und dieser Zeitverlust wird beim Umstieg auf einen größeren Akku leicht übersehen. Wer den Akku nur in kurzen Pausen zwischen zwei Einsätzen nachlädt, merkt den Unterschied besonders deutlich, weil die verfügbare Zeit dann oft nicht mehr für eine vollständige Ladung reicht.
Prüfen Sie vor dem Kauf eines größeren Akkus, ob das vorhandene Ladegerät zur höheren Kapazität passt. Ein Ladegerät, das ursprünglich für einen kleineren Akku ausgelegt wurde, lädt einen größeren zwar noch auf, braucht dafür aber überproportional länger, sodass ein Teil des Kapazitätsgewinns durch längere Standzeit an der Ladestation wieder verloren geht.
Geteilte Akkutypen als praktischer Vorteil beim Kauf
Neben der Kapazität lohnt sich ein Blick darauf, wie viele Maschinen denselben Akkutyp nutzen. In unserer Datenbank teilt sich eine Maschine ihren Akkutyp im Mittel mit 34 weiteren Maschinen, was die Auswahl an Ersatzakkus und die spätere Erweiterung des Geräteparks erleichtert, unabhängig von der gewählten Kapazität.
Am häufigsten geteilt wird der Typ AP 30, der zu 67 Maschinen passt, sowie die Typen BSL36A18X, BSL36B18X, BSL36B18, BSL36A18 und BSL36C18, die jeweils zu 65 Maschinen passen. Wer ein Werkzeug mit einem dieser weit verbreiteten Akkutypen besitzt, findet leichter einen passenden Ersatzakku oder ein passendes Ladegerät als bei einem selten geteilten Typ, unabhängig davon, wie viele Amperestunden er letztlich wählt. Bevor Sie sich für eine höhere Kapazität entscheiden, lohnt sich deshalb der Abgleich, ob Ihr Werkzeug bereits zu einer dieser weit verbreiteten Akkufamilien gehört, denn das erleichtert die spätere Suche nach einem passenden Ersatzakku oder Ladegerät erheblich.